Wohl kaum käme ein Regisseur auf die Idee, seinen Film über ein Mathematik-Genie mit jemandem zu besetzen, der die Grundrechenarten nicht voneinander unterscheiden kann, oder bei einem Film über einen Starkoch mit jemandem, der ständig Essig und Öl miteinander verwechselt. Bei Filmen über Dirigenten sind Selbstverständlichkeiten dieser Art offenbar komplett négligeable, vor ein paar Tagen wieder beeindruckend zu sehen in „Die Unschuldsvermutung“. Ulrich Tukur, eigentlich ein musikalischer Mime, pinselt an Takt, Rhythmus und Tempo genauso vorbei wie Laura de Boer, der man fassungslos zuschaut, an der Grenze zum Fremdschämen. August Zirner spielt auch mit, dirigiert aber gottseidank nicht. In einem früheren Streifen („Der Hochzeitswalzer“) ist er in der Rolle des Maestros hoffnungslos überfordert, leider war es den Verantwortlichen in Regie und Produktion herzlich egal. Immerhin hat John Cassavetes schon vor fünfzig Jahren bei „Columbo“ vorgemacht, wie es auf keinen Fall geht und trotzdem passiert. Der einzige, der einen Dirigenten wirklich überzeugend gespielt hat, ohne auch nur Noten lesen zu können, war Oskar Werner. Für „Interlude“ hatte er wochenlang Dirigierunterricht genommen, weil er, von seiner Berufsauffassung mal ganz abgesehen, einfach können wollte, was er da tat. Das Royal Philharmonic Orchestra bot ihm daraufhin eine Tournee mit acht Konzerten an, weil es glaubte, Werner sei ein „richtiger“ Dirigent. Die zuvor genannten Akteure haben so etwas nicht zu erwarten, hoffentlich.