Zurzeit lese ich „Verlangen und Melancholie“ von Bodo Kirchhoff. Der Roman ist nach dem 2012 erschienenen Werk „Die Liebe in groben Zügen“ ein Bestseller auf dem Gebiet der Belletristik, ein Wort im Übrigen, das der Erzähler im Verlaufe des Romans als zu selten verwendet ansieht. „Verlangen und Melancholie“ enthält zu Beginn des siebzehnten Kapitels den folgenden Satz: „Die Erinnerungen an das Schöne, das lange zurückliegt, sie sind größer als man selbst, und ihre Übermacht kommt immer unerwartet, wie aus dem Hinterhalt.“ Mal abgesehen davon, dass die Glücklichen unter uns den Wahrheitsgehalt dieser Aussage nur bestätigen können, so können wir dem Begriff des Hinterhalts auf neue, positive Weise begegnen. Wir haben keinen Grund, das Unerwartete zu fürchten. Wir dürfen uns den Unberechenbarkeiten getrost anvertrauen und sollten, wie ein norwegisches Sprichwort sagt, dem Glück die Chance geben, auch zu uns finden zu können.