Am letzten Sonntag habe ich mir die in der Presse hochgelobte Produktion von Dvořáks Rusalka im Staatstheater Hannover angeschaut. Vielleicht ist ja die Inszenierung wirklich fantasievoll und obendrein schlüssig, und vielleicht, nein, ganz sicher ist die musikalische Leistung fast aller Mitwirkenden überdurchschnittlich gut. Auch der Einführungsvortrag war in Ordnung, auch wenn die Frage unbehandelt blieb, warum sich der Komponist für seine zweitletzte Oper einen solchen Stoff ausgesucht hat.

Während der drei Stunden wurde ich den Eindruck nicht los, dass Dvořák weit mehr Sinfoniker als Bühnenkomponist war. Bei allen Anklängen an melodiöse Verläufe und ariose Strukturen dominiert doch seine Fähigkeit, differenzierte, sorgsam ausbalancierte orchestrale Klangmixturen zu schaffen. Nicht von ungefähr ist Rusalka seine einzige Oper, die auf unseren Bühnen überlebt hat. Von den insgesamt zehn Opern, die Dvořák komponiert hat, kann man nicht mal so einfach einige aufzählen, wie zum Beispiel bei Mozart oder Verdi. Das hat ohne Frage den Grund, dass seine übrigen Werke das gesamte Œuvre leuchtend dominieren, sei es durch Sinfonien, Kammermusik oder Klavierstücke. Was mich zu der Frage bringt, warum Rusalka beim Publikum so beliebt ist. Eine traurige Nixengeschichte, ziemlich romantisch, um nicht zu sagen versponnen. Ohne Neunaugen, aber mit „Lied an den Mond“.