In letzter Zeit ist in den Printmedien, doch auch in Fernsehdiskussionen und Polit-Talkskows häufiger von einem „Narrativ“ die Rede, welches vermeintlich dringend benötigt, fälschlich benutzt oder unentwegt verbreitet wird. Frauke Petry wünschte vor ein paar Monaten auf die Frage, ob sie die Radikalisierung ihrer Ex-Partei nicht mit in Gang gesetzt habe, „mit diesem Narrativ bitte endlich Schluss machen“ zu können. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck beließ es kürzlich immerhin bei einer „Erzählung“, die es bräuchte, um für bestimmte Koalitionen überzeugend werben zu können. Narrativ, das klingt sehr gescheit. Ähnlich wie Alexander Wehrle, Geschäftsführer des 1. FC Köln, der keinesfalls „proaktiv“ auf Horst Heldt, Manager von Hannover 96, zugegangen sein will, um ihn abzuwerben. Proaktiv, das ist vermutlich aktiver als aktiv, wahrscheinlich obendrein gesünder, auf jeden Fall klingt es so.

Vor einigen Tagen meinte der Politologe Michael Oswald, dass Christian Lindner in den Jamaika-Sondierungen versucht habe, ein „für ihn normativ gutes Programm“ in die Regierung zu übertragen. Stellt sich die Frage, ob seine Mitsondierer möglicherweise während der mehrwöchigen Konsultationen nicht ausreichend proaktiv auf ihn zugegangen sind. Vielleicht hat Lindner seinerseits auch mit einem Narrativ gegeizt, wer will das wissen? Im Nachhinein war es aus liberaler Sicht normativ jedenfalls kein gutes Programm. Immerhin wird jetzt außer GroKo auch KoKo erwogen, bald vielleicht auch KroKo oder SchoKo. Aber das Narrativ muss passen, normativ wie proaktiv, sonst wird das wieder nichts!