Im VHS-Opernkurs habe ich gestern zwei Einspielungen von Mozarts Entführung aus dem Serail dabei, die eine von 2011 aus dem Liceu in Barcelona (Leitung Ivor Bolton, Regie Christoph Loy), die andere von 2013 aus dem Hangar-7 in Salzburg (Leitung Hans Graf, Regie Adrian Marthaler). Über Geschmack lässt sich streiten, oder eben auch nicht. Dass sich die ausgefeilte Personenführung von Christoph Loy nicht jedem sofort erschließt, ist nicht verwunderlich. Auch dass ungeübtere Ohren für die Entdeckung von Mozarts Geniestreichen im Finale des 2. Aktes mehrere Hörhilfen benötigen, ist verständlich. Dafür und für anderes mehr ist der Kurs ja da. Bleibe ich bei der Musik und spreche über Tonarten, Halbschlüsse, Arien und Strophenlieder, wechselnde Tempi etc., gibt es keine Geschmacksretouren oder Reklamationen. Bei den Bildern stellt sich das ganz anders dar. Unsereins muss sich immer wieder daran gewöhnen (wenn das überhaupt möglich ist), dass Vorbehalte und Aversionen gegenüber modernen Transfers bisweilen tief verwurzelt und für so manche Teilnehmer nur schwer zu überwinden sind. Eine Oper auf dem Flughafen, ja, wo gibt’s denn sowas? Worin soll denn da der Nutzen bestehen? Wenn ich einen Flieger sehen will, fahre ich zum Flughafen…

Was Oper heute für uns bedeuten kann, in einer gegenüber der Zeit der Uraufführung so völlig veränderten Welt, mit anderen Mitteln und Formen von Kommunikation, verfügbarem Wissen bis hin zu KI, Technik, Handel, Verkehr und vielem mehr, dabei gleichwohl mit zeitlosen, immerwährenden, uns allzu bekannten Emotionen, Obsessionen und Träumen – sich diesem Gedanken zu öffnen, ist für viele oft schwer. Herbert Lachmayer spricht – übrigens nicht zufällig in Zusammenhang mit Mozart – von der „Bühne unserer möblierten Psyche“. Unsere Psyche können wir nicht einfach rausschmeißen, die Möblierung schon.