Heute, an den Iden des März, an Julius Caesars Todestag, sollte man sich eigentlich Händels Oper „Giulio Cesare“ (1724) zu Gemüte führen (wenn man nicht Shakespeares Drama oder Thornton Wilders Briefroman bevorzugt). Caesars Ermordung wird allerdings in der Oper nicht thematisiert, sondern stattdessen schildert das Stück über dreieinhalb Stunden seine Liebesaffäre mit Cleopatra, mit allem Drum und Dran. Letzteres gilt für die Musik ebenso wie für die Dramaturgie. Es ist die am aufwändigsten instrumentierte Oper Händels, prachtvoll und klangschön, mit grandiosen Arien und Chören. Vor allem aber zeigt sich Händel hier als Meister der psychologischen Zeichnung und der musikalisch-sinnlichen Charakterisierung. Höhepunkt ist die Szene im zweiten Akt, wenn Cleopatra als die Tugend selbst erscheint (ausgerechnet!) und wir der Verherrlichung der sexuellen Leidenschaft ohne Rücksicht auf bestehende Ehebande beiwohnen dürfen. Das damalige Publikum war hingerissen – wie Caesar von Cleopatra….

Giulio Cesare